PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen eines PDA-Einsteigers



pitter
09.03.2005, 13:35:33
Als echter Fan eines 2,8 KG schweren Notebooks mit Windows XP prof. SP2 und Mandrake-Linux als Betriebssystem und sonstigem Zick und Zack, sowie stolzer Besitzer eines uralten Mobiltelefons von Siemens – ohne Farbe, spezielle Klingeltöne und anderem Firelefanz, sah ich keine besondere Notwendigkeit zum Kauf eines PDAs. Das heißt aber nicht, dass Presseberichte und sogar die Werbung ihr Ziel völlig verfehlten: Mein Spieltrieb war geweckt und ich begab mich auf die Suche nach einer Newsgroup im Netz aller Netze. O Herr – was man da las, lies einem die Haare zu Berge stehen. Damit meine ich nicht die Stilblüten die zu lesen waren. Obwohl die streckenweise unheimlich gut waren. Kleines Beispiel gefällig? „Was macht ihr mit eurem PDA?“, fragte ein Forumsmitglied. „Ich hör mich MP3s an“ kam spontan die begeisterte Antwort. Nun gut –passiert schon mal. Das Thema „Übertakten“ wurde auch in epischer Breite diskutiert. Das hat mich zu spontanen Aktionen motiviert. Seit dem läuft mein Wecker, analog und ohne Schnickschnack, wesentlich schneller.
Es gab aber auch eine Menge guter Beiträge die den Nutzwert des digitalen Assistenten ausgiebig schilderten. Hiermit meine ich nicht die sachlichen Beiträge – die finde ich nicht spannend – sondern vielmehr die Statements von begeisterten Usern die wahrscheinlich jeden Tag ohne PDA als verlorenen Tag ansehen würden. Anfänglich verfolgte ich das Geschehen noch mit einigem Misstrauen, das legte sich jedoch nach und nach und ich begann, von meiner Umwelt (kurzum: Meiner Frau) kaum bemerkt, mich nach Preisen und Verfügbarkeiten umzuschauen. Ein gebrauchter MDA2 mit Navi-Software auf einer 512 MB-Karte, Navimaus, Autohalterung und einiger Originalsoftware (beigelegter Kaufbelegt) für 440 Euro stach mir spontan ins Auge – und verschleierte mir die Sicht. „Brauch ich nicht“, „Wozu dieser Unfug“, „Ich hab’ doch alles“, „Is doch eh nur Spielzeug“ und „Viel zu teuer“, waren die anfänglichen Argumente meines Gewissens – das spontan die Contra-Position einnahm. Das „Es“ in mir argumentierte völlig konträr – ohne jetzt darauf näher einzugehen. Was soll ich großartig schreiben – das „Es“ gewann. Nicht auf einmal – sondern nach und nach; eher schleichend. Nur drei Tage später hielt ich das Wunderwerk der Technologie in meinen Händen. Der Vorbesitzer – anscheinend ein glühender Verehrer der miniaturisierten Variante eines Computers, gab mir die niederen Weihen eins PDAisten. Diese bezogen sich auf Akkupflege, Backups und der Softwarebeschaffung. „Probiere Software immer vor dem Kauf aus“, hallt es mir noch gespenstisch im Ohr. Google sei Dank, konnte diese Warnung ausgiebig beachtet werden. Was habe ich nun alles, zuzüglich zur Standardsoftware:

1. Die Navigatiossoftware (von Navigon)
2. SplashID – zum Sichern der Passwörter. Toll, dass ein Desktop-Modul zur Eingabe und für den Datenimport gleichfalls zur Verfügung steht
3. SlovoEd (Deutsch / Englisch) – ein praktisches Übersetzungsprogramm
4. Space Reclaimer – beseitigt überflüssige Dateien
5. Total Commander – zur Navigation auf dem PDA
6. vBar – recht bequem zum wirklichen Beenden der Anwendung
7. XCPUScalar – zum „Runtertakten“ des PDAs
8. Monopoly – ein Spiel

Hinzu kommen etliche Bücher, Gesetzestexte und Belletristik, MP3-Dateien und die Wikipedia-Bibliothek. Bei dieser zeigte sich auch das erste Problem: Die Deutschlandkarte des Navigationssystems verschlang ca. 240 MB, 20 MB Bücher im Format „PRC“ kam hinzu. Zehn MB wollte ich freilassen. Zuzüglich der 210 MB MP3 waren 480 MB belegt – zuviel um die aktuelle Version darauf zu speichern. Also musste, wenn ich nicht SD-Jockey spielen wollte, der ganze Kram gekürzt werden. Die Bücher wollte ich nicht missen – analog zu der Navigationssoftware. Blieben nur die MP3. Aber löschen? Das kam nicht in Frage – also kürzen. Auf der Suche nach entsprechender Software stieß ich auf die Seite http://www.microsoft.com/windows/windowsmedia/de/9series/encoder/default.aspx. Hier gab es kostenlos einen Media Encoder. Statt der 128 (teilweise auch 192) Kbps-MP3-Dateien habe ich nun 64-Kbps-WMA-Dateien. Und das Beste: Die belegten nur noch ein Drittel des vorher belegten Platzes – bei gleicher Klangqualität über die mitgelieferten Ohrhörer. Aber leider war der Restplatz für die aktuelle Wikipedia-Version immer noch zu klein. Auf der Seite http://www.axelschaefermdb.de/more.php?id=258_0_1_0_M fand sich eine Version, 1.3 vom 22. Mai letzten Jahres, die 123 MB Platz benötigt – das passte. Mein papiererner Brockhaus ist 3 Jahre alt und leistet immer noch gute Dienste. Es muss also nicht immer das Aktuellste sein. So weit zur Ausstattung
Nachdem ich nun knapp vier Wochen mit dem Kleinen durch die Weltgeschichte gondele, häufte sich die Zahl der Geräte, die in meiner Reisetasche ihr Zuhause verloren haben. In Reihenfolge war das:

1. Mein Siemens Mobiltelefon nebst Akkuladegerät – die Aufgabe übernimmt der PDA in glänzender Art und Weise, zudem dieser noch ein Ohrhörerpaar bereitstellt um beide Hände am Lenkrad zu lassen. Blöd ist es nur, wenn das Navigationssystem „läuft“
2. Mein Reisewecker – trotz des Tunings des „Aufziehbaren“ weckt mich der MDA2 genauso gut – wenn auch etwas leiser
3. Mein MP3-Player nebst Akkuladegerät – darüber freute sich mein Filius in besonderer Weise
4. Mein Falk-Pakt Reisekarten
5. Mein digitaler Langenscheidt (Deutsch – Englisch) – den hat nun meine Älteste
6. Mein Filofax
7. Die kleine Stab-Digitalkamera ohne Blitz - die bot sogar eine etwas schlechtere Qualität wie der MDA2
8. Mein Notebook – ne, ne hier war der Wunsch der Vater des Gedankens. Das ist nicht zu ersetzen – zu Mindestens derzeit nicht

Wenn jetzt noch die Reiszahnbürste, der Nassrasierer und die Unterwäsche in den MDA2 passen würde – nicht auszudenken. Wenn einer eine Idee hat?!
Der Stromverbrauch des MDA ist in den Foren ein besonderes Thema – so auch bei mir. Vielfach stand zu lesen, dass der kleine Reisebegleiter sich einmal täglich in dem Cradle zur Ruhe zurückziehen möchte. Nun – ich möchte nicht als Aufschneider gelten – aber meiner kann sich diesen Luxus nicht leisten. Auch wenn er nicht im Auto geladen wird, braucht es manchmal 2 Tage bis er wieder in sein heimisches Plastikgehäuse darf. Er schafft es. Der alte Weise des Berges, sprich der Verkäufer des MDA2, taktete ihn mit der Software XCPUScalar dynamisch. Das heißt, der Takt, und somit der Stromverbrauch, ist der angeforderten Prozessorleistung angepasst. Außerdem ist die Bildschirmhelligkeit bei Batteriebetrieb auf „Minimal“ gestellt. So hieß es, und da ich ein Verfechter der These „Never touch a running System“ bin, glaube ich daran und zügele meine vorwitzigen Finger wenn diese selbstständig nach anderen Einstellungen fahnden. Das gilt auch für mein Nervthema Nr. 1: Den Klingeltönen. Gut – ich habe diesen auf „Antik“ gestellt. Der gefiel mir ziemlich gut. Ich weigere mich jedoch beharrlich, auf die geistig Diät lebende Werbung von Jamba und Konsorten hereinzufallen. Mir ist unklar, wie man solch einen Schwachsinn bestellen und – was noch viel schlimmer ist – benutzen kann. Wozu soll beispielsweise das Geröhre eines Elches gut sein – außer die Umwelt mit maximaler Geräuschbelästigung zu nerven. Wahrscheinlich ist das ein Mittel für besonders farblose Menschen nur einmal – ein einziges Mal – im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Wie dem auch sei – ich brauche das Zeug nicht. Anderem Zubehör bin ich dagegen sehr angetan: Beispielsweiser einer Infrarot-Tastatur oder einer SD-WLAN-Karte. Jaja – kaum hat man etwas, will man auch schon mehr – wenn nicht gleich alles. Eine Stippvisite in den T-Punkt-Läden der Weltmetropole Bochum zeigte jedoch, dass man mehr Sachverstand im Verkauf der Verträge besitzt, denn im Verkauf der Zubehörteile. Nichts gegen die Verkäufer – die waren allesamt ausgesprochen höflich, wenn nicht gar freundlich zu nennen. Das ersetzt jedoch keinesfalls das fehlende Zubehör. Mehrfach angelächelt zog ich unverrichteter Dinge von dannen. Ich muss mir das Gelörre anscheinend aus dem Internet bestellen. Mist – ich hätte es mir gerne vorab einmal angeschaut. Ach ja – einen InkLink gab es aus dem Reviermarkt für 20 Euro zu kaufen. Der ist recht praktisch. Statt mit der Minitastatur oder gar mittels dieser Zeichen auf den Screen zu schreiben, nutze ich einen gewöhnlichen Notizblock. Die Infos werden in gleicher Form auf dem PDA dargestellt wie auf dem Papier – nebst Zeichnungen. Anschließend übernimmt man die Grafik auf dem Desktop und kann diese dort nachbearbeiten. Ein absoluter Gewinn für mich. Die Bezugsadresse kann ich hier zwar nennen, das wird aber nicht viel bringen (www.reviermarkt.de). Allerdings habe ich mich vorab im Netz erkundigt, was das Zubehörteil neu kostet: 44,50 Euro auf http://www.handit.de/index.php?fuseaction=detail&katid=46&produktid=457.

So – genug der langen Worte. Im Grunde hätte ich das auch kürzer fassen können. Folgender Satz hätte genügt: Ich hab’ mir einen MDA gekauft, der prima funktioniert und etliche Geräte bestens ersetzen kann. Ich suchte jedoch einen anständigen Rahmen für meine Beschimpfungen des Anbieters „Jamba“, da mich das Geklingele tatsächlich extrem nervt.

Wünsche beim Lesen viel Spaß gehabt zu haben
Pitter

Q
09.03.2005, 14:57:48
:claps: :claps: :claps: :) hab gehabt :) :claps: :claps: :claps:

clickfisch
09.03.2005, 15:10:38
Wow das nenn ich mal nen "kompakten" Beitrag, aber :top:

-CNK-
09.03.2005, 17:59:57
Das nen ich mal nen gelungenen ersten Beitrag!

Herzlich Willkommen!

rubberduck503
09.03.2005, 18:22:11
schön geschrieben, wenn ich das auch so könnte würde ich es mal als Buchautor probieren :D

pitter
10.03.2005, 02:49:13
Schon passiert. Gelernt und studiert an der Uni Bochum - die überdies um Längen besser als ihr Ruf ist (Ein dickes Pardon an Heidelberg und München, aber ihr habt nicht halb so gute Dozenten ). Angewendet bei einem Düsseldorfer Verlag - allerdings nur im Bereich Fachbücher. Für Belletristik reicht mein schriftstellerisches Geschick - gemessen an Dan Brown (den ich bewundere) und Co. - absolut nicht aus. Hier werte ich mich als schreiberisches Nichts.

Irgendwie denke ich anscheinend zu rational - oder soll ich gar die Vokabel "ehrlich" benutzen? Wie dem auch sei. Der Text ist nur meiner Begeisterung für den MDA 2 meinem Hirn entsprungen. Ein Gerät das dermassen viele Bedürfnisse auf einen Schlag erfüllt ist extrem selten. 170 Gramm geballte Hightech-Power für einen erschwinglichen Preis. Ich hocke hier, in Irland, bei der x-ten Flasche Ale - das Zeug taugt nicht viel, außer das man viel zum Klo "flitzen" muss - und schreibe die Antwort. Deroweil ich einiges von Schiller höre und auf einen Anruf vom Verleger warte. Um es kurz zu machen: Nutzt man den Kollegen "PDA" beruflich, amortisiert sich der Kauf schon nach einigen, wenigen Tagen. Meine begeisterung nimmt täglich zu.
Pitter